M.A.C.

Das mobile Art Café.

Von Kassel lernen? Ein Nachruf zur documenta 14

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Ein ungewöhnliches Art Frühstück gab es von Michael Stockhausen, Kunsthistoriker an der Universität Bonn.

In seinem schönen Projektraum K186 , den er gemeinsam mit Julia Krings in Bonn betreibt, war das Art Frühstück eine unter den von mir gezeigten Arbeiten, die dort im Rahmen der Ausstellung „ Farbenstrak“ zu sehen waren.

Die documenta14 kann man als gescheitert ansehen. Wie kam es dazu und woran liegt das?
Mit einem Impulsreferat ist der Sache nicht beizukommen, dachte sich Michael Stockhausen und legte in einer Art virtuellem Rundgang anhand sehr gut gewählter Beispiele und Kommentare eine Fährte, auf der ihm seine Zuhörer gespannt folgten und diskutierten.
Der Kunsthistoriker, der 2018 auch das Kuratorenstipendium des Quartier am Hafen in Köln- Poll inne hat, zeigte, wie die Unentschiedenheit von Adam Szymczyk und seinem Kuratorenteam die vielen Stränge der zahlreichen politischen und ethischen Ansprüche zu einem ratlosen Knäuel verhedderte.

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Heilkunst

Atemberaubend!

Der Vortrag von Matheos Sarikas lieferte ungewohnte Einblicke in die kunstvolle Konstruktion unseres Körpers und machte deutlich, wie Licht und Wasser einen elementaren Beitrag zur Zellkommunikation und Gesundheit leisten.
Dabei bestätigte sich wieder die alte Weisheit: wie innen – so außen; wie oben – so unten.
Dabei offenbart sich Heilkunst als die Kunst, die Sprache des Körpers zu erkennen und zu unterstützen, um Heilung und Regeneration zu fördern.

Matheos Sarikas ist Facharzt für Allgemeinmedizin und hat in dieser Position 8 Jahre lang in einem Medizinischen Versorgungszentrum in Köln gearbeitet. Im Rahmen seiner allgemeinmedizinischen Facharztweiterbildung hat er Erfahrungen in den Gebieten Innere Medizin und Unfallchirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin, Notfallmedizin und Kinderheilkunde gesammelt.
Der erfahrene Arzt erkannte, dass Schulmedizin und Kassenverordnungen allein gerade bei chronischen Erkrankungen oft nur eingeschränkt hilfreich sind.
Er wird sich mit einer Praxis für medizinische Hypnose und Akupunktur in Köln niederlassen.
Ab Mai 2017 www.gnostion.de

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Gegen Wahlen – Deliberative Demokratie

Oberflächlich betrachtet steht die Demokratie in voller Blüte: nie gab es mehr freie demokratische Staaten auf der Welt; und doch wird eine Legitimationskrise der Demokratie gerade in den besonders „etablierten“ Demokratien sichtbar. Populisten sind auf dem Vormarsch und behaupten die Stimme des Volkes zu sein, aber wie spricht das Volk eigentlich wenn es denn spricht? Demokratie soll nicht nur ein durch Wahlen herbeigeführter Machtwechsel von Aristokratien sein und muss deshalb eine glaubhafte Form der Repräsentation aufbieten können. Aber wer oder was soll eigentlich repräsentiert werden?
Die Deliberative Demokratie will durch einen informierten Diskurs von einer repräsentativen Gruppe von Bürgern eine Lösung für dieses Problem anbieten. Die Frage, die ein solches „soziales Experiment“ stellt, ist „Wie würden die Bürger entscheiden, wenn sie genügend Informationen und Zeit für Reflexion und Austausch hätten?“ Die Ergebnisse der bereits geführten sogenannten „deliberative polls“ sind so überraschend und vielversprechend, dass manche sogar von einer direkten Form der Volksregierung träumen.

Ein politisches Art Frühstück am 4.3. mit Impulsreferat von:

Florian Bohde, Philosoph, Mitarbeiter am Thomas Institut und beim Philosophischen Radio WDR 5 


Dr. Aaaron Langenfeld: Kann man noch an Gott glauben?

Der Glaube an einen Gott erhält in Europa immer mehr den Status eines Relikts früherer Zeiten. Wer noch an Gott glaubt, scheint einigermaßen dumm zu sein, weil er an einem mythologischen Konzept festhält, das doch längst vom naturwissenschaftlich begründeten Weltbild überrundet worden ist. Gleichzeitig macht sich in der philosophischen Debatte ein neues Interesse an der Gottesfrage bemerkbar, das gerade aus einer Unzufriedenheit mit dem weltanschaulichen Naturalismus heraus resultiert.

Genau hier setzt das Referat von Dr. Aaron Langenfeld an, Der Theologe, Philosoph und Germanist, skizzierte einen rationalen Gottesbegriff, der den Mythologieverdacht ernst nimmt.

Ein spannendes Referat!

Zu den Forschungsschwerpunkten von Dr.Aaron Langenfeld  gehört  der theologisch-philosophische Diskurs um eine zeitgemäße Anthropologie, das Verhältnis von Vernunft und Glaube und die theologische Freiheitslehre.Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Katholische Theologie der Universität Paderborn und ist zugleich Geschäftsführer des Zentrums für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften an der Uni Paderborn.

sdr

Sonette von William Shakespeare

Dies war ein solches Art Frühstück, dass ich das Foto für den Blog vergass!

Aus seiner unveröffentlichten Übersetzung der Sonetten W. Shakespeares lasen Kurt Kreiler, Autor und Übersetzer und Bernt Hahn, Schauspieler und Sprecher. Beide lasen die altenglische Fassung und die wunderbare deutsche Übersetzung las Bernt Hahn mit seiner schönen Stimme. Ein exklusives Ereignis!Diese Sonette, geschrieben vor mehr als 400 Jahren, leuchten dank der Übersetzung von Kurt Kreiler vor kraftvoller Schönheit der Sprache.

Überraschend ist die starke, unverblümte Erotik der Sonetten „an einen jungen Mann“ sowie an die „Dark Lady“. Der junge Mann könnte der 1573 geborenen Henry Wriothesley, Earl of Southampton sein, ein junger Mann androgyner Schönheit, die „Dark Lady bleibt“ ein Geheimnis.

Kurt Kreiler hat zudem den „Fall Shakespeare“ neu aufgerollt und erstaunliche Behauptungen in seiner wissenschaftlich fundierten Biographie „Der Mann, der Shakespeare erfand“ aufgestellt. Er trug das im AF so einleuchtend vor, das die These von der Autorschaft Edward de Vere unter den Gästen lauter Anhänger gewann.

Der 1609 veröffentlichte Sonetten-Zyklus ist nach der Bibel das am häufigsten ins Deutsche übersetzte Werk. Die Übersetzungen variieren, wen wundert’s, stark nach Epoche und persönlichem Stil. 
Kurt Kreiler ist nach Meinung aller etwas Besonderes gelungen!

Der Mensch als Außenseiter

Für das Aufgeben der Idee der Identität 

Manchmal ist es an der Zeit ehemals leistungsfähige Ideen über Bord zu werfen wenn die Realität ihnen „entwächst“.
Der Kölner Kunsthistoriker Dr. Wilfried Doerstel knöpfte sich einen solchen Kandidaten in dreifacher Gestalt vor: die Idee der Identität in der Kunst, als personale Identität und im Buddhismus.

Moderne Kunst scheint mit dem Begriff der Identität regelrecht zu spielen, so kann bei vielen intermedialen Arbeiten ihre eigene Materialität kein Fundament mehr für ihre Beständigkeit in der Zeit und ihre Einheit im Raum bieten. Das Konzept der eigenen Vergänglichkeit wird in modernen Werken gerne mit einbezogen, so dass sich Fragen nach der Erhaltung solcher Kunst neu stellt.
Wie kann ich von einem Originalzustand sprechen, wenn der Künstler mit der Natur arbeitet und der Verfall – etwa durch die Gezeiten – mit zur Arbeit gehört? Können wir überhaupt von einem Werk sprechen, wenn der Prozess seines Entstehens prinzipiell unabgeschlossen ist?

Mit der Verlagerung der Perspektive auf die personale Identität erhalten Fragen wie diese eine noch größere Sprengkraft. Es scheint als würde unsere „Welt“ zusammenbrechen, würden wir die Idee von der beständigen, unwandelbaren Person die wir sind aufgeben. Brauchen wir diese Idee um eine integrale Perspektive auf unser Leben zu haben oder ist sie eine überkommene Denkgewohnheit? Genau an dieser Stelle ist die Frage von großer Wichtigkeit im Umgang mit dem / den Fremden, Angst auslösend die zu starker Abneigung, zum Hass führen kann.
In jedem Fall ist es keineswegs leicht die Vorstellung vom „Selbst“ aufzugeben – doch der Buddhismus versucht uns zu zeigen, dass diese Aufgabe nicht der Gegenstand der Angst ist, sondern die Erlösung von ihr.

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Zum Impulsreferat am 3.10. von Johannes Schick

Wie verhalten sich Intuitionen und Emotionen zueinander?

Was steht am Anfang des künstlerischen und wissenschaftlichen Schaffens? Diesen Fragen widmete sich der Vortrag und die anschließende Diskussion im Rahmen des Art Frühstück am Samstag den 03.10.2015. Im Ausgang des Denkens von Henri Bergson referierte Johannes Schick über das „dynamische Schema und die kreative Kraft der Emotionen“. Am Anfang eines Kunstwerks und auch einer neuen wissenschaftlichen Entdeckung steht, so Bergson, eine Emotion, die sich dann im Werk des Künstlers ausdrückt und dem Betrachter eine neue Intuition der Realität verschafft, die ihm ohne das Kunstwerk nicht möglich gewesen wäre und zunächst nur dem Künstler gegeben war. Dieses auf die Romantik zurückgehende Kunstverständnis wurde kontrovers diskutiert, stellt sich doch die Frage, inwieweit Bergsons Denken auch zeitgenössische Kunst, die mit Brüchen arbeitet und weniger Wert auf das unmittelbare Erfassen der Natur legt, angemessen abbilden kann.

Schick-Referat

Zur weiteren Lektüre:

Johannes Schick, Erlebte Wirklichkeit. Zum Verhältnis von Intuition zu Emotion bei Henri Bergson, LitVerlag, Münster/Berlin: 2012.

Der Begriff der Intuition bei Henri Bergson

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Man kann ohne zu übertreiben behaupten, dass der französische Philosoph Henri Bergson ( 1859 – 1941 )bei uns weitestgehend unbekannt ist. Seine Ideen aber haben zahllose Schriftsteller und Philosophen beeinflusst, so dass er bei genauerem Hinsehen alles andere als einflusslos geblieben ist. Dieser Einfluss ist bedauerlicher Weise dort am schwächsten, wo er auch heute noch enormes Potential hätte: in seiner detailreichen Auseinandersetzung mit den Wissenschaften.
Die Intuition ist der Begriff, der sich wie ein roter Faden durch seine Werke zieht. Sie ist ein schillernder Begriff, denn auf der einen Seite ist die Intuition ein bevorzugter Untersuchungsgegenstand Bergsons, auf der anderen Seite soll sie aber auch zur Methode der Untersuchung werden. Grob gesagt ist sie der Verstandestätigkeit insofern entgegengesetzt, als letztere die Realität in immer in kleinere Versatzstücke aufteilt, die Intuition hingegen erfasst immer das „Ganze“ einer Bewegung und kann niemals aus diesen Versatzstücken zusammengesetzt werden. Diese Konstellation ist laut Bergson für viele Probleme in Philosophie und Wissenschaften verantwortlich, sie macht aber auch Bergsons eigenen Stand zwischen diesen beiden Auffassungen so interessant und komplex.

Das Impulsreferat im Art Frühstück am 3.10.2015 hält Dr. Johannes Schick.

Dr. Johannes Schick studierte Philosophie, Religionsgeschichte und Politikwissenschaften in Würzburg. Derzeit lehrt und arbeitet er an der Universität zu Köln in der Graduiertenschule a.r.t.e.s. Seine Monographie über Bergson – „Erlebte Wirklichkeit. Zum Verhältnis von Intuition zu Emotion bei Henri Bergson“ – erschien 2012 im LIT-Verlag.

Werktreue – Vom exzentrischen Genie zur exzentrischen Perspektive

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Was heute „klassischer“ oder „hochkultureller“ Musikbetrieb heißt, wird überwiegend von Interpreten und ihren individuellen Interpretationen kanonisierter Werke getragen. Paradoxerweise wird aber ein vermeintliches Zuviel an Individualität der Interpreten häufig mit dem Verdacht belegt, jene Musiker nähmen es mit der als Leitbild allgemein akzeptierten „Werktreue“ nicht so genau, drängten sich zum Nachteil der Werke und Komponisten unangemessen in den Vordergrund – und seien deswegen nicht ernstzunehmen. Auch die Musikwissenschaft hat bisher wenig zur Reflektion dieser Situation beigetragen. Fehlen womöglich noch die Begriffe, mit denen alternative oder aktualisierende Interpretationen überhaupt gedacht werden können?

Anhand von Aufnahmen der Pianisten Friedrich Gulda und Glenn Gould – beide als Exzentriker verschrien – lässt sich eine neue Perspektive entwickeln. Es geht um eine Art der Interpretation, die ihre eigene Gemachtheit ausstellt, indem sie vorführt, dass sie immer auch anders ausfallen könnte: Sie lässt auf verschiedene Weise hören, dass eine Interpretation durch Entscheidungen für bestimmte Möglichkeiten (und gegen andere) zustande kommt. Wenn die Interpretation nicht mehr allein als Funktion des Werkes aufgefasst wird, sondern gleichermaßen „über sicht selbst spricht“, was Gulda und Gould denkbar werden lassen, wird eine Fülle an Möglichkeiten freigesetzt. Nicht nur vorliegende Realisierungen von Notentexten ließen sich so anders deuten – das Modell wäre gleichzeitig auch ein Wegweiser zu neuen Spielräumen der musikalischen Interpretation.