M.A.C.

Das mobile Art Café.

Monat: Oktober, 2015

Zum Impulsreferat am 3.10. von Johannes Schick

Wie verhalten sich Intuitionen und Emotionen zueinander?

Was steht am Anfang des künstlerischen und wissenschaftlichen Schaffens? Diesen Fragen widmete sich der Vortrag und die anschließende Diskussion im Rahmen des Art Frühstück am Samstag den 03.10.2015. Im Ausgang des Denkens von Henri Bergson referierte Johannes Schick über das „dynamische Schema und die kreative Kraft der Emotionen“. Am Anfang eines Kunstwerks und auch einer neuen wissenschaftlichen Entdeckung steht, so Bergson, eine Emotion, die sich dann im Werk des Künstlers ausdrückt und dem Betrachter eine neue Intuition der Realität verschafft, die ihm ohne das Kunstwerk nicht möglich gewesen wäre und zunächst nur dem Künstler gegeben war. Dieses auf die Romantik zurückgehende Kunstverständnis wurde kontrovers diskutiert, stellt sich doch die Frage, inwieweit Bergsons Denken auch zeitgenössische Kunst, die mit Brüchen arbeitet und weniger Wert auf das unmittelbare Erfassen der Natur legt, angemessen abbilden kann.

Schick-Referat

Zur weiteren Lektüre:

Johannes Schick, Erlebte Wirklichkeit. Zum Verhältnis von Intuition zu Emotion bei Henri Bergson, LitVerlag, Münster/Berlin: 2012.

Advertisements

Der Begriff der Intuition bei Henri Bergson

images

Man kann ohne zu übertreiben behaupten, dass der französische Philosoph Henri Bergson ( 1859 – 1941 )bei uns weitestgehend unbekannt ist. Seine Ideen aber haben zahllose Schriftsteller und Philosophen beeinflusst, so dass er bei genauerem Hinsehen alles andere als einflusslos geblieben ist. Dieser Einfluss ist bedauerlicher Weise dort am schwächsten, wo er auch heute noch enormes Potential hätte: in seiner detailreichen Auseinandersetzung mit den Wissenschaften.
Die Intuition ist der Begriff, der sich wie ein roter Faden durch seine Werke zieht. Sie ist ein schillernder Begriff, denn auf der einen Seite ist die Intuition ein bevorzugter Untersuchungsgegenstand Bergsons, auf der anderen Seite soll sie aber auch zur Methode der Untersuchung werden. Grob gesagt ist sie der Verstandestätigkeit insofern entgegengesetzt, als letztere die Realität in immer in kleinere Versatzstücke aufteilt, die Intuition hingegen erfasst immer das „Ganze“ einer Bewegung und kann niemals aus diesen Versatzstücken zusammengesetzt werden. Diese Konstellation ist laut Bergson für viele Probleme in Philosophie und Wissenschaften verantwortlich, sie macht aber auch Bergsons eigenen Stand zwischen diesen beiden Auffassungen so interessant und komplex.

Das Impulsreferat im Art Frühstück am 3.10.2015 hält Dr. Johannes Schick.

Dr. Johannes Schick studierte Philosophie, Religionsgeschichte und Politikwissenschaften in Würzburg. Derzeit lehrt und arbeitet er an der Universität zu Köln in der Graduiertenschule a.r.t.e.s. Seine Monographie über Bergson – „Erlebte Wirklichkeit. Zum Verhältnis von Intuition zu Emotion bei Henri Bergson“ – erschien 2012 im LIT-Verlag.