Für das Aufgeben der Idee der Identität 

Manchmal ist es an der Zeit ehemals leistungsfähige Ideen über Bord zu werfen wenn die Realität ihnen „entwächst“.
Der Kölner Kunsthistoriker Dr. Wilfried Doerstel knöpfte sich einen solchen Kandidaten in dreifacher Gestalt vor: die Idee der Identität in der Kunst, als personale Identität und im Buddhismus.

Moderne Kunst scheint mit dem Begriff der Identität regelrecht zu spielen, so kann bei vielen intermedialen Arbeiten ihre eigene Materialität kein Fundament mehr für ihre Beständigkeit in der Zeit und ihre Einheit im Raum bieten. Das Konzept der eigenen Vergänglichkeit wird in modernen Werken gerne mit einbezogen, so dass sich Fragen nach der Erhaltung solcher Kunst neu stellt.
Wie kann ich von einem Originalzustand sprechen, wenn der Künstler mit der Natur arbeitet und der Verfall – etwa durch die Gezeiten – mit zur Arbeit gehört? Können wir überhaupt von einem Werk sprechen, wenn der Prozess seines Entstehens prinzipiell unabgeschlossen ist?

Mit der Verlagerung der Perspektive auf die personale Identität erhalten Fragen wie diese eine noch größere Sprengkraft. Es scheint als würde unsere „Welt“ zusammenbrechen, würden wir die Idee von der beständigen, unwandelbaren Person die wir sind aufgeben. Brauchen wir diese Idee um eine integrale Perspektive auf unser Leben zu haben oder ist sie eine überkommene Denkgewohnheit? Genau an dieser Stelle ist die Frage von großer Wichtigkeit im Umgang mit dem / den Fremden, Angst auslösend die zu starker Abneigung, zum Hass führen kann.
In jedem Fall ist es keineswegs leicht die Vorstellung vom „Selbst“ aufzugeben – doch der Buddhismus versucht uns zu zeigen, dass diese Aufgabe nicht der Gegenstand der Angst ist, sondern die Erlösung von ihr.

2016-03-05 10.50.23

 

 

 

 

 

 

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