Der Mensch als Außenseiter

von mobilesartcafe

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Dr. phil. Matthias Burchardt, Jg 1966, Akademischer Rat an der Universität zu Köln, Forschungsschwerpunkte: Anthropologie, Bildungspolitik und Ästhetische Bildung. Politisch als Kritiker der Bildungsreformen engagiert und künstlerisch dilettierend als Photograph, Autor und Librettist.

 

 

Sich einem Verständnis für das Fremde und das Außenseitertum zu nähern, schließt eine prinzipielle Schwierigkeit mit ein: denn Verständnis ist immer eine Form von geistiger Eingemeindung, eine Hoffnung auf Annäherung. Schnell ist man versucht, das Ungewöhnliche durch das Gewöhnliche zu erklären und zwar im ganz wörtlichen Sinne: Unsere Gewohnheiten sind es, die das Fremde zum Fremden machen und in die wir zugleich versuchen es aufzulösen, es zu ent-fremden.
Dieser Herausforderung stellte sich in seinem Vortrag der Kölner Philosoph und Pädagoge Matthias Burchardt. Als Teil der Veranstaltungsreihe „Ins Offene“, einer Hommage an den obdachlosen Künstler Konstantin von Eckardt, warf der Vortrag die Frage auf, wie ein Leben außerhalb der Gesellschaft möglich ist. Dabei zeigte sich schnell wie wenig uns mit der üblichen räumlichen Metaphorik von Innen und Außen geholfen ist – schließlich lebt der Außenseiter ja nicht außerhalb, sondern mitten in der Gesellschaft. Mit einer Mischung aus begrifflichler Analyse und emotionalem Feingefühl zeigte Burchardt, dass man die obengenannten Schwierigkeiten in der Beschäftigung mit dem Fremden nicht einfach umgehen kann. Will man sich ernsthaft mit einem fremden, ungewöhnlichen Leben beschäftigen, stellt man dadurch immer auch sein eigenes Leben mit in Frage. Was ist es, dass mein Leben gewöhnlich macht? Was eine solche Frage wichtig und schwierig macht ist, dass sie keine vorgefertigten Antwort-Muster anerkennt, sondern diese vielmehr ausschließt. Sie ist – frei nach dem Motto des Parcours – eine Frage ins Offene.

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„Ins Offene “ , ein Kunst-Parcour.

Vom 22.4. – 24.4. konnten Michael Stockhausen und ich ein umfangreiches Kunstprojekt mit Ausstellungen, Performance, Vorträgen, Lesung und Konzert in Köln Nippes realisieren.
An der Kirche St. Marien/ Baudriplatz,  lebte 20 Jahre ein ungewöhnlicher Mann, Konstantin von Eckardt, erst im Zelt, die letzten Lebensjahre dann  in einer Holzhütte, bevor er im Februar 2016 mit 81 Jahren starb. Ausgehend davon interessierte uns vor allem die Frage der Akzeptanz der Gesellschaft Aussenseitern gegenüber.

Die Holzhütte hielt , bevor sie abgerissen wurde, der bekannte Fotograf Boris Becker für uns fest.
Wir bieten sie jetzt an in einer Edition , Auflage 20 , 50×60 cm. 450,- (o.R.) um das privat vorfinanzierte Projekt zu finanzieren.

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