Memoria 2.0. – Digitale Trauer und Gedächtniskulturen im Internet

von mobilesartcafe

Der junge Medienwissenschaftler Patrick Nehls von der Universität Bonn referierte so eloquent und faktenreich über ein äußerst spannendes Thema, dass ihm alle gebannt lauschten. Das gern verdrängte Ende des Lebens bringt nämlich im Netz ungeahnte und neue, teils sehr befremdliche Formen der Trauer und der Erinnerns hervor.

In seinem Vortrag beschreibt Patrick Nehls zunächst historische Veränderungen in der Trauerkultur und zeigt, welche Rolle Medien im Erinnerungsprozess und in der Auseinandersetzung mit Tod spielten und spielen. Trauer, so wird deutlich, sei zu einem großen Teil nicht nur Emotion, sondern vielmehr kulturelle Praxis, die sich im Laufe der Zeit verändere und sich neuen gesellschaftlichen Entwicklungen anpasse. Die Pluralisierung der Medienlandschaften, neue kommunikative Öffentlichkeiten und die Verschränkung sozialen Alltags mit Technologie, führen zu neuen Lebenswelten, von denen auch das Lebensende betroffen sei. So verweist er auf virtuelle Friedhöfe, individuelle Gedenkseiten, QR-Codes auf Grabsteinen, Trauer auf Facebook, Instagram und YouTube und stellt diese in eine Reihe mit bisherigen Formen von Trauerkommunikation. Hier handele es sich nicht um etwas wesentlich Neues, lediglich die Kommunikationsumgebungen und das Repertoire der symbolischen Handlungen habe sich erweitert. Zuletzt wagt sich Patrick Nehls an einem Ausblick, der auf eine grundlegende Veränderung der Trauerrituale und Erinnerungspraktiken verweist: Apps, die Kommunikationsdaten der Verstorbenen analysieren und so Gespräche mit den „Toten“ ermöglichen.

Patrick Nehls arbeitet an seiner Dissertation zum Thema mit dem Titel : „Die Rolle von digitalen Technologien in Ritualen der Trauer und Totenerinnerung“.

Sehr zu hoffen ist, dass es danach als Buch oder Doku erscheint!