Iwans Gespräch mit dem Teufel

Wie verheerend muss es sich auf das Selbstbild eines Menschen auswirken, wenn er die Fähigkeit einbüßt, daran zu glauben, dass er Gegenstand und Zweck der Liebe Gottes und anderer Menschen sein kann – dass er der Liebe unwürdig ist, und zwar besonders darum, weil er unfähig ist, seinen eigenen moralischen Anforderungen gerecht zu werden? Weil er unmoralisch ist, schäbig, „lasterhaft“, wie man um 19. Jh. zu sagen pflegte. Weil er findet, dass er des Glückes nicht würdig ist. Weil er überzeugt ist, dass er niemals im Paradies existieren kann, weil er jede paradiesische Gemeinschaft durch seine eigene charakterliche Schwäche zerstören würde – weil er seiner nicht würdig ist. Menschen fragen sich oft, wie ein Paradies sein müsste, damit sie darin glückselig sein können, aber selten, wie sie sein müssten, damit sie darin existieren können, ohne es zu zerstören. Dostojewskij hält uns einen Spiegel vor. In „Der Traum eines Lächerlichen Menschen“ und „Die Brüder Karamazov“, besonders in Iwans Gespräch mit dem Teufel, gibt er dieser Frage eine glänzende Bühne.

Der Philosoph Dr. Sasa Josifovic , Uni Köln, in einem glänzenden Referat über diese zeitlose Problematik der Menschen.