M.A.C.

Das mobile Art Café.

Monat: Juni, 2019

Das Betriebssystem Kunst 2019

Was will die Gesellschaft von der Kunst und was will die Kunst von der Gesellschaft?

Als sich die bildende Kunst vor nicht allzu langer Zeit ohne Not vom sozialen in den ökonomischen Bereich der Gesellschaft verschoben hat, haben sich die ursprünglichen und gewachsenen Wechselwirkungen zwischen Künstler, Werk und Betrachter radikal verändert. Die Verwertung des künstlerischen Werkes durch Dritte ist zum bestimmenden Parameter geworden. Vom partizipierenden Kunstmarkt hin zur alles bestimmenden Kunstindustrie. Die gesellschaftliche Relevanz von Kunst wird dabei zunehmend nebensächlich. Sie ist aus der Mitte der Gesellschaft in den ökonomischen Malstrom geraten und hat sich von der Idee eines erweiterten Kunstbegriffs zu einer monetären Zugewinngemeinschaft entwickelt. Die daraus resultierenden negativen Begleiterscheinungen lassen sich gut am Beispiel der Entwicklung der ehemaligen Kunstmetropole Köln vom innovativen Hotspot zu einem international eher unbedeutenden Binnenmarkt aufzeigen.
Was bedeutet der stattgefundene Paradigmenwechsel bezüglich der Kunstbewertung nun für das Selbstverständnis der Kunstschaffenden und der Kunstbetrachter und wie hat sich dadurch die Wahrnehmung und Rezeption von Kunst durch die Gesellschaft verändert? Wer hat heute die Deutungshoheit über die Kunst?Trotz der aus seiner Sicht negativen Entwicklungen hält Michael Staab die Wechselwirkung zwischen Kunstschaffen und Kunstbetrachtung im Ganzen gesehen für das letzte nicht korrumpierbare gesellschaftliche System. Welche Möglichkeiten und Herausforderungen beinhaltet diese sehr optimistische Sichtweise für den Künstler und den Kunstbetrachter?

Michael Staab,
Theaterregisseur, Aktions- und Konzeptkünstler, Ausstellungsmacher.

Nach mehrjähriger Arbeit seit 1984 an institutionellen und freien Theatern als Regieassistent und Regisseur beschäftigt sich Michael Staab seit 1992 mit performativ bespielten Rauminstallationen, partizipatorischer Aktionskunst und konzeptionellen Kunstaktionen.
Seit 1994 arbeitet er auch als Projektleiter, Ausstellungsmacher, Kurator und Szenograph für nationale und internationale Kulturinstitutionen, Museen und Biennalen an der Realisierung komplexer Projekte der zeitgenössischen Kunst

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Foto: Helmut Hergarten

IN oder OUT?

Über Außenseiter in der Kunst.

Outsider Art, art brut, art hors-les-normes, Außenseiterkunst. Diese und ähnliche
Begriffe haben nicht nur auf dem Kunstmarkt immer mehr an Bedeutung gewonnen,
durch vermehrte Ausstellungen, immer mehr Sammlungen und Museen vielerorts werden sie auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, nicht zuletzt mit
einem vielrezipierten Pavillon auf der Biennale in Venedig 2013. Einige Werke
hängen auch in Museen, die nicht dezidiert den Fokus auf Outsider Art gelegt
haben, etwa die Werke von Dan Miller im MoMa in New York und auch die hiesigen
Auktionshäuser vermerken einen Anstieg der Verkäufe von Outsiderkunst. Was also
unterscheidet die Außenseiterkunst von Werken „etablierter“ Künstler? Wie
erklärt sich die Idee Jean Dubuffets von art brut , im Sinne von unverfälscht, nicht bearbeitet, wie ein Rohdiamant?
Zwei spannende „Unbekannte“ stellt Julia Krings am 25.5.2019 beim Art Café vor.
Julia_Krings
Julia Krings ist Kunsthistorikerin und arbeitet seit 2008 als Kustodin am
Kunsthistorischen Institut in Bonn. In ihrer Lehre wie Forschung sind moderne
und zeitgenössische Kunst leitende Themen, das Dissertationsprojekt stellt die Frage nach Outside[r] art?
Kuratorische Projekte, Katalogbeiträge und verschiedene Vorträge sind u.a. für sie Plattformen, auch außerhalb der Universität in der Praxis tätig zu sein.